Kampagnen und Interviews

Klimaverhalten.de fragt "VIP's" nach ihrer Einschätzung zum Klimawandel und unterstützt folgende Kampagnen und interviewt die verantwortlichen Personen, damit die Informationen möglichst aus primärer Quelle stammen. Interessenten für eine Berichterstattung und Verlinkung bei Klimaverhalten melden sich bei: info@klimaverhalten.de

Regelmäßige Kampagnen:

Earth Hour

Earth Day

Woche der Sonne


Interview mit Arved Fuchs

Anlässlich seiner Vortragsreihe "Der Ruf des Nordens - Expeditionen nach Ost-Grönland und Spitzbergen" interviewte Klimaverhalten.de Arved Fuchs in Tuttlingen. Nachfolgend gewährt der 55-jährige Bad Bramstedter einen Einblick in seine Ansichten in Zeiten des Klimawandels.

Arved Fuchs – Ansichten in Zeiten des Klimawandels
(16.11. 2008, Interview mit Peter Tobies)

Herr Fuchs, warum benutzen Sie bei Ihren Expeditionen das langsame Segelschiff „Dagmar Aaen“?
Mir geht es nicht um Schnelligkeit, sondern um die Intensität des Erlebens und die
steckt mehr in der Langsamkeit als im schnellen Erreichen des Expeditionszieles mit einem Flugzeug. Außerdem ist das Segeln umweltfreundlich und um die Welt zu erkunden das Mittel mit der meisten Tradition.

Was ist das Besondere dieses Schiffs?
Es ist ein Segelschiff aus dem Jahr 1931. Die „alte Dame“ wurde für die Fahrten in der Eismeerregion ausgerüstet. Sie ist immer wie eine gute Freundin, auf der es möglich ist, eine Beziehung zwischen Schiff und Mannschaft aufzubauen. Dies ist wichtig, denn es gibt auch gefährliche Situationen, die gemeinsam überwunden werden müssen.

Verraten Sie etwas über Ihre neuen Expeditionsziele? Gelten diese weiterhin wie zuletzt dem Klimawandel?
Das neue Ziel ist noch nicht öffentlich. Wir werden es noch bekannt geben. Wir segeln wieder in arktische Gewässer, auch wegen des Klimawandels. In diesen Zeiten ist es wichtig vor Ort zu sein und zu dokumentieren. Wir kooperieren mit Wissenschaftlern, die ihre Untersuchungen durchführen.

Ihre letzten beiden Expeditionsziele waren Spitzbergen und Ost-Grönland. Was waren Ihre Erkenntnisse?
Das waren zwei unterschiedliche Projekte. Ich war dreimal in Ost-Grönland. 1983 fuhr ich dort mit einem Hundeschlitten über das Eis. 1997/98 überwinterten wir bei schwierigen Eisbedingungen und über den Klimawandel sprachen wir damals weniger. Knapp neun Jahre später, im Jahr 2006, waren wir überrascht über die starken Änderungen und wir erreichten eisfreie Gebiete, die wir niemals zuvor erreicht hätten. Angesichts dieser atemberaubenden Veränderungen kam ich zu dem Ergebnis, dass der Kampf gegen den Klimawandel über Bilder und nicht über Diagramme gewonnen wird, denn die Menschen können nicht unterscheiden was es heißt, zwei bis drei Grad Celsius Erwärmung bewältigen zu können und bei sechs Grad Celsius Erwärmung Katastrophen ausgesetzt zu sein. Spitzbergen war eine andere Expedition. Dort gab es mehr wissenschaftliche Ziele: Eisbohrkerne ziehen, Salzlake untersuchen, Temperaturen und Eisschollen vermessen. Diese gewonnenen Daten bilden zusammen mit den Bildern eine verständlichere Einheit.

Wie vermitteln wir unseren Kindern am besten den Klimawandel?
Wir stützen uns vor allem auf 16-19-jährige Abiturienten, die englisch sprechen, bald studieren und die Entscheidungsträger von morgen sind. Wir zeigen ihnen die Veränderungen in den arktischen Gewässern, damit sie den Klimawandel mit ihren Sinnen unmittelbar erleben können. Damit tun wir etwas gegen eine theoretische Sättigung. Wir sind der Meinung, dass es besser ist, junge Menschen mit raus in die Natur zu nehmen und sie begreifen zu lassen. Dadurch schärfen die Schüler ihre Sinne und kommen so zu einem nachhaltigen Erleben. Wir wollen sie wieder näher und praktisch an die Natur führen, so wie das früher bei Wandertagen mehr der Fall war.

Bekommen die Menschen den Klimawandel in den Griff?
Zunächst einmal muss man den Menschen ohne Katastrophen-Szenarien verdeutlichen, was es heißt, 2-6°C wärmere Temperaturen bekommen zu können. Viele Leute verstehen das nicht. Außerdem müssen sie wissen, dass Änderungen schnell möglich sind. In der aktuellen Bankenkrise sieht man, wie schnell Geldhilfen bereitgestellt werden können. Dies muss beim Klimawandel auch möglich sein. Die Sensibilität für den Klimawandel ist unterschwellig vorhanden, wird aber verallgemeinert: „Das hat’s schon immer gegeben.“ Insgesamt bin ich positiv denkend. Die Menschen verstehen das Thema immer mehr und es ist wissenschaftlich belegt.

„Weniger ist mehr“ – ist das ein Lebensziel der Zukunft?
Dieser Ansatz ist sinnvoll, er wird aber so nicht funktionieren, weil wir mobil und global vernetzt sind.  Die Verkehrsströme werden nicht abnehmen. Es ist dennoch sinnvoll mehr öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen und auf andere Energieformen zu wechseln. Ein striktes „grünes Denken“ wird in der Weltgesellschaft nicht funktionieren. Vielmehr ist ein neues Wertegerüst aufzubauen, welches beispielsweise verhindert mit dem Landrover zum Brötchen kaufen zu fahren. Es sind pfiffige neue Technologien nötig und dies lässt sich auch erreichen.

Bieten Ihre Grenzerfahrungen Hilfen, sich anders zu verhalten?
In der Auseinandersetzung mit der eigenen Existenz lernt man viel über sich und über seine eigenen Werte. Dadurch wird man sensibler und lernt Dinge intensiver wahrzunehmen. Ob sich das gesamte Verhalten ändert, kann ich nicht grundsätzlich sagen.

Wodurch zeichnet sich Teamfähigkeit (auf dem Schiff) aus?
Sie zeigt sich vor allem dadurch, wenn ein Mensch bereit ist, wochenlang auf engem Raum zu leben und zu arbeiten. Sie ist gekennzeichnet durch Menschen, die auch zurückstecken und geben und nehmen können. Insgesamt zeichnet sie sich durch selbstgerechte und soziale Menschen aus, die Gemeinsames hervorheben. Beim Thema „Teamfähigkeit“ müssen die Ziele transparent sein.

Was interessiert die Menschen bei Ihren Vorträgen am meisten?
Sie sind in erster Linie neugierig, was ich zu erzählen habe. Für viele bin ich ein Stellvertreter des Reisenden. Ich selbst sehe mich als Chronist, der über den Klimawandel berichtet, weil ich mich für die Natur verantwortlich fühle und das Thema „Klimawandel“ nicht  scheue.

Wie sieht ihr sportlicher Trainingsplan innerhalb einer Woche aus?
Der ist sehr variabel. Ich habe einen eigenen Fitnessraum, einen Crosstrainer und ich  laufe draußen. Wegen meiner vielen Termine muss ich mein Training oft daran anpassen und habe deswegen keinen starren Trainingsplan.
 
Vielen Dank für das Interview!

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