Eindrücke von den Schlusstagen der Weltklimakonferenz

Die Welt blickt nach Kopenhagen, 16. und 17. Dezember 2009

Bereits auf dem Flughafen in Kopenhagen hängen Schilder und Plakate von der „COP 15“, der UN Weltklimakonferenz. An der Metro-Station stehen Helfer und geben Auskunft, welche Wege es zu den unzähligen Veranstaltungen in der Stadt gibt. Eine Fahrt ins Zentrum der Entscheidungen, dem „Bella Center“,  ist sinnlos, denn tausende Journalisten stehen stundenlang in der Kälte und warten auf die Erlaubnis beobachten zu dürfen, meist vergeblich.

Am Hauptbahnhof von Kopenhagen gibt es ein ähnliches Bild. In den engen Aufgängen hört man viele verschiedene Sprachen und sieht Menschen aus allen Ländern der Welt. Als ein saudischer Scheich mit seinen Gefolgsleuten und eigenem Kameramann entgegen kommt, zücken einige Passanten ihre Kameras und Handys und knipsen aufgeregt ein bizarres arabisches Foto im dänischen Winter.

Nachmittags, wenn es gegen 16 Uhr schon fast dunkel ist, strömen durch die „Frederiksberggade“, die Hauptfußgängerzone in Kopenhagen, nicht nur viele Passanten, die Weihnachtseinkäufe erledigen. Mittendrin kommen plötzlich als Pandabären verkleidete Aktivisten der World Wide Foundation (WWF) entgegen. Vermutlich gehören sie zum nahegelegenen „Artic Tent“, dem arktischen Zelt, in dem es jede Menge Informationen zum polaren Klimawandel gibt. Alle zieht es Richtung Rathausplatz, auf dem eine „Future City“, eine emissionsarme Stadt der Zukunft, aufgebaut ist und eine Showbühne, auf der sie den UN Generalsekretär Ban Ki-Moon empfangen möchten.

Abends um 19h warten im Schneefall Kamerateams und etwa 1000 Menschen vor der Bühne auf den Beginn der „Earth Hour“, bei der symbolisch eine Stunde lang die Lichter rund um das Rathaus ausgeschaltet bleiben. Als die Oberbürgermeisterin von Kopenhagen, Ritt Bjerregaard,  die Aktion beginnt, ist es für einen Moment still und eine ca. 30 Meter hohe beleuchtete Erdkugel gegenüber der Bühne erlischt effektvoll. Als eine Stunde später das Licht wieder an ist, nimmt nicht Ban Ki-Moon den „Peoples Orb“, mit seinen weltweiten Klimabotschaften und Projekten entgegen, sondern UN-Vermittler Vijay Nambiar. Mit den Klängen des „WWF Climate Songs“ von Ida Corr and Simon Mathew neigt sich die einstündige „Site-Veranstaltung“ der UN Weltklimakonferenz dem Ende. Unterdessen tagen im Bella Center die Delegationen der UN Staaten weiter. Weltweit warten die Menschen gespannt auf die Entscheidungen von Kopenhagen.

Impressionen vom Ende der UN Klimakonferenz, 18. 12. 2009

Wenn es kalt ist, bewegen sich Moleküle in der Luft bekanntlich nicht so schnell und bei Dunkelheit sind sie sowieso nicht sichtbar. Beim UN Weltklimagipfel in Kopenhagen ist es ähnlich. Zum Abschluss der knapp zweiwöchigen Verhandlungen müssen die Menschen geduldig auf die Ergebnisse der Konferenz warten.

Unterdessen kreist über dem Zentrum von Kopenhagen seit Tagen ununterbrochen ein Hubschrauber. Ein Blick aus dem Hotelzimmer in eine Polizeiunterkunft verrät hektisches Ein- und Ausgehen der Beamten. Die großgewachsenen und breitschultrigen Polizisten sehen müde aus, am Ende ihres fast zweiwöchigen Dauereinsatzes. Es herrscht die höchste Sicherheitsstufe. Zusätzlich ertönen die Sirenen der Einsatzfahrzeuge. Seit einigen Stunden sind sie im Minutentakt zu hören. Die Stimmung ist wie in einem Film einer amerikanischen Großstadt. Kein Zweifel besteht mehr, dass der US amerikanische Präsident angekommen ist. Er reist als Letzter zur Klimakonferenz, die der Wirtschaftsexperte Nicolas Stern als die wichtigste seit dem zweiten Weltkrieg bezeichnet. Unterdessen warten die Menschen hoffend auf die Ergebnisse der Staatschefs dieser Erde.

Es ist noch kälter geworden, der Nordostwind hat zugenommen, der Himmel ist grau und die Atmosphäre passt sich der gedämpften Helligkeit an. Bei einem Besuch vor dem Bella Center sieht es mehr nach einer Polarforschungsstation als nach einem Tagungszentrum aus. Direkt am streng bewachten Eingang bieten verfrorene südamerikanische Aktivisten fleischloses „Veg Food“ an und machen darauf aufmerksam, dass das Weltklima allein durch Verzicht auf massenhaften Fleischkonsum erheblich geschützt werden kann. Ein paar Meter weiter protestiert Greenpeace gegen den weitgehenden Ausschluss der NGO’s, den Nicht-Regierungs-Organisationen. Bei den Entscheidungen sind sie nicht mehr gefragt. Die deutschen Klimaschützer passen sich der Eiseskälte an und vermitteln ihre Botschaft auf einer digitalen Großleinwand.

Ein letzter Blick vor den Entscheidungen der  UN Klimakonferenz „COP 15“ fällt über die Gebäude, die wie auf einem Messegelände dicht aneinander gebaut und hermetisch abgeriegelt sind. Fast symbolisch steigt grauer Rauch eines entfernten Kraftwerkes genau über den Dächern des Geschehens auf. Ein Blick aus der vorbeifahrenden Metro geht durch eine aufgewirbelte Schneefontäne bis zu einem Windkraftrad hindurch, das einsam über dem Bella Center Energie produziert. Am Noerreport, einem zentralen Knotenpunkt der Stadt, fahren die vereisten S-Bahnen verspätet ein und aus den Lautsprechern bittet eine helle dänische Stimme um Verständnis wegen des Winterwetters. Beim Hauptbahnhof wartet eine bunt gekleidete Gruppe aus Bolivien auf ihre Abfahrt. „Stop climate change!“, steht auf einem mitgeführten Holzschild. Ob ihr Wunsch in Erfüllung geht, erfahren sie vermutlich erst zuhause.

In der Stadt ist es auf den Plätzen und an den Ständen der Organisationen auffallend ruhiger geworden. Vereinzelt rollen Mitarbeiter Plakate ein oder befestigen nochmals Ihre Pinwände, die dem dauerhaften Eiswind Paroli geboten haben. Einige Helfer verteilen Ihre Broschüren und vereinzelt geben Besucher Interviews oder füllen Fragebögen aus. In einem kleinen Cafe sitzt ein japanisches Kamerateam. Auch sie warten nun auf die Ergebnisse der Konferenz. Immerhin sind die Japaner stolz, dass ihre Regierung statt zehn nun fünfzehn Millarden an finanzieller Unterstützung zugesagt hat. Am Ende der Weltklimakonferenz blicken alle gespannt auf die Abschlussdokumente.

Warten auf Entscheidungen der Weltklimakonferenz, 18.12. 2009

Am Freitag, 18. Dezember,  ist es mit –6°C der kälteste Tag auf der Weltklimakonferenz in Kopenhagen. Am Morgen nach dem Eintreffen der wichtigsten Staatsführer kommt als letzter der US Präsident Barack Obama hinzu. Von ihm erwarten die meisten Menschen einen entscheidenden Impuls für ein erfolgreiches Klimaabkommen. Bereits in der Nacht zuvor hatten die westlichen Staaten zusammen mit China versucht, Hürden für ein Klimaabkommen zu beseitigen, denn die bisherigen Anstrengungen sollten nach einem laut WWF „durchgesickerten UNFCCC Dokument“ nicht für das ehrgeizige 2°C Ziel nicht ausreichen.

Unterdessen ist auf dem Klimaforum 09, dem Alternativgipfel im „DGI-Byen Copenhagen“ ein gedämpftes Warten spürbar. Der im Gegensatz zum Bella Center nicht beschränkte Zutritt, zeigt im Eingangsbereich den Aufruf zur Unterstützung des Forums, viele Informationsbroschüren, ca. 50 an Laptopplätzen sitzende Personen, die ihre Botschaften weitergeben und den Hinweis auf laufende Veranstaltungen in farbig gekennzeichneten Räumen. An manchen Stellen wird bereits wie in der Stadt abgebaut. In einem Vortragsraum geht es dagegen sehr emotional zu. Ein afrikanischer Gast beklagt sich über den bisher sehr schleppenden Verlauf der Konferenz. Aus seiner Sicht seien die Afrikaner bereits die Verlierer, wenn am Schlusstag keine besseren Lösungen sichtbar würden. Einen Raum weiter tragen Südamerikaner ihre Sicht der Dinge vor. In fünf abgeschotteten Boxen sitzen Dolmetscher und übersetzen in die wichtigsten Sprachen. Hauptsächlich ist jedoch Englisch zu hören, danach Französisch und auch Spanisch ist verbreitet.

Gegen Mittag veröffentlicht erneut der WWF, einer der aktivsten Organisationen in Kopenhagen, seine Sicht der Dinge: „Regine Günther, Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik des WWF Deutschland:

Die EU und USA pokern weiter. Die Reden von Präsident Obama und EU-Präsident Barroso hier in Kopenhagen haben keine neuen Impulse gebracht. Es bleibt zu hoffen, dass hinter den Kulissen mehr diskutiert wird, als auf der großen Bühne. Mit dem was bisher öffentlich vorgelegt wurde, werden wir die Welt nicht vor den schlimmsten Folgen des Klimawandels bewahren. Wir brauchen keine schönen Worte mehr, wir brauchen Taten."

Im Laufe des Nachmittags dringt nach außen, dass China im begrenzten Maße bereit ist, Kontrollen für finanzierte Klimaschutzmaßnahmen zu zulassen. Dies sei nach Ansicht von Beobachtern allerdings zu wenig, um schließlich verbindliche Ziele zu erreichen. Mit fortschreitender Dauer des Freitags gibt es Stimmen, die eine Verlängerung der Konferenz für möglich halten.

Am Abend reist dann der russische Präsident Medwedew vorzeitig ab. Er beschwert sich über die schlechte Organisation der Konferenz und trifft dadurch vor allem Gastgeber Dänemark. Seine Abreise lässt die Befürchtung für das Scheitern erneut stark anwachsen. Um Mitternacht meldet sich wiederum der WWF, nachdem die vorverhandelten Ergebnisse der Staatspräsidenten im Plenum (bei einigen Entwicklungsländern) auf Ablehnung stießen: „Regine Günther, Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik des WWF Deutschland, zum vorliegenden Dokument der 25 Staaten:

Die Verhandlungen in Kopenhagen haben den ersehnten Durchbruch nicht geschafft. Das Ergebnis ist eine große Enttäuschung. Wir haben bisher weder den erhofften rechtsverbindlichen Vertrag noch eine weitreichende politische Erklärung, um den Klimawandel zu bekämpfen. Theoretisch hat man sich damit in Kopenhagen vielleicht auf das 2° C Ziel geeinigt, in der Praxis landen wir aber bei 3° C Erwärmung oder sogar mehr. Die Staats- und Regierungschefs müssen dort weitermachen, wo sie aufgehört haben. Und das am besten sofort."

Am Morgen des 19. Dezember 2009 herrscht in den bedeutenden Medien keine Einigkeit wie das Ergebnis einzuschätzen ist. Die Meldungen schwanken zwischen „Minimalkonsens und Scheitern“. Erst im Laufe des Tages und an den Folgetagen wird meist das Wort „scheitern“ für die UN Weltklimakonferenz verwendet.